DER MALAKT ALS LIEBESAKT
ÜBER DIE MENSCHENBILDER DER XENIA HAUSNER
von Wieland Schmied
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Die Bilder Xenia Hausners erzählen keine Geschichten. Sie beginnen jenseits alles Anekdotischen. Aber die Künstlerin suggeriert, daß es diese Geschichten gibt, daß da Geschichten hinter den Bildern sind, die sie selbst nicht kennt, daß jeder ihrer Menschen viele solcher Geschichten in sich trägt. Darum kann sie ihre Bilder auch "Liebesfragmente" nennen, darum erscheinen sie uns so oft als Fragmente von Liebesgeschichten, als Bruchstücke unbekannter Lebensromane. Und darum kann Xenia Hausner auch davon sprechen, daß ihre Bilder oft im "Verlauf der Entstehung eine überraschende Wendung" nehmen und vom Kurs abweichen können, der in ihrer Konzeption angelegt war. Ein Bild macht sich dann selbständig und gewinnt sein Eigenleben. "Es wird", sagt Xenia Hausner, "zu einer Wahrheit jenseits des Gemalten...". Die Figuren nabeln sich von der Malerin ab, wenn diese einmal den Pinsel aus der Hand gelegt hat, und führen ihre eigene, unabhängige Existenz, beginnen vielleicht gar eine geheime Konspiration mit dem Betrachter.
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Vielleicht dürfen wir über die Bilder der Xenia Hausner nachdenken und uns ihnen allmählich nähern, diese als Entwürfe ungeschriebener Dramen lesen, als Blaupausen virtueller Lebensläufe. Die Personen, die sie ins Bild ruft, ihre Erfahrungen, ihr Schicksal, ihre Träume mit und mögen es auch zerbrochene Träume sein. Aber sie sind noch nicht am Ende. Sie kommen mitten aus dem Leben, aus einem vollen sinnlichen Leben, und sie alle haben noch ein Stück Zukunft vor sich, so ungewiß diese aus sein mag. Sie scheuen sich nicht, sich zu entblößen, aber sie geben nur wenig von sich preis. Die tragische Komponete ihrer Existenz müssen wir erraten. Vielleicht sind diese Figuren abgebrüht, geschwätzig sind sie nicht. Entwürfe ungeschriebener Dramen, Blaupausen virtueller Lebensläufe. Mit anderen Worten: wir dürfen die Bilder der Xenia Hausner als Beispiel einer Malerei nehmen, die nicht der Literatur folgt, sondern die ihr vorangeht, die Anlaß für Literatur sein kann". Der Malakt als Liebesakt und zugleich: die Leinwand als Schauplatz eines Kampfes, als Auseinandersetzung mit dem Gegenüber einerseits, mit dem Material und den Mitteln der Malerei andererseits das sind die beiden Pole, zwischen denen die Kunst der Xenia Hausner angesiedelt ist. einmal überwiegt das Moment der Liebe, das andere Mal der Begriff des Kampfes. Im Grunde sind es die zwei Seiten der gleichen Medaille: Die eine ist ohne die andere nicht denkbar, auch wenn jeweils nur eine oben liegt und sichtbar ist. Die andere, verdeckte, bleibt immer vorhanden und wartet darauf, aufgedeckt zu werden. Die Malerei Xenia Hausners bezieht ihre Kraft aus Gegensätzen. Ihre Arbeit wird von Extremen vorangetrieben: Liebe und Kampf, und immer spüren wir, welche Seite gerade die Oberhand gewonnen hat. Davon sprechen auch die Titel, die sie ihren Ausstellungen und den sie begleitenden Büchern gegeben hat. "Liebesfragmente" hatte sie die erste genannt, die zweite, große Wanderausstellung heißt "Kampfzone".
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Auszug aus dem Katalogtext:
"Der Malakt als Liebesakt. Über die Menschenbilder der Xenia Hausner"
von Wieland Schmied; Xenia Hausner "Kampfzone", Köln 2000
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Photographie und Malerei
Zum Arbeitsprozess Xenia Hausners
Peter Weiermair
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Xenia Hausner arbeitet nach dem Modell beziehungsweise mit den Modellen. Ihre Bilder entstehen in zahlreichen Sitzungen, wobei die Erfahrung des Gegenübers, auch dessen Nähe und die Zwiesprache zwischen Maler und Modell zustandekommt. Wenn davon die Rede war, daß Hausner ihre Bilder inszeniert, dann kommt dabei der Fotografie eine besondere Bedeutung zu. Die in ihrem Zueinander begriffenen und miteinander in Beziehung gebrachten Modelle werden vom Betrachter vor allem über ihre physiognomischen Charakteristika, aber auch über die Körpersprache erfahren. Hausner inszeniert die Personen wie auf einer Bühne, so daß der Eindruck und die Erfahrung größter Intensität entsteht. Sie erscheinen wie arretiert, aber durch die Frontalität jeweils auf uns beziehungsweise die Malerin bezogen. Die Körpersprache ist aufschlußreich. Xenia Hausner setzt die Fotografie vor allem ein, um ein Repertoire von Gesten und Haltungen zu entwerfen, aus denen sie dann jeweils Versatzstücke für die endgültige Fassung ihrer Bilder verwendet. Manchmal sind es nur Requisiten, ein Sofa, ein Schiffsrumpf, die sie für die weitere Arbeit aufzeichnet. Vergleichen wir nun die von ihr gemachten Fotografien, also die Polaroids, mit dem Endprodukt, dem Gemälde, für das diese Aufnahmen Arbeitsbehelf waren, so zeigt sich vor allem im spielerischen Charakter der fotografischen Aufnahmen ein Unterschied zur getragenen Malerei. Xenia Hausners Werk hat mit der bildgewordenen Herausforderung zu tun, die jeder Mensch in seiner Individualität bedeutet. Wesentlich ist ihr daher die Steigerung dieser Intensität, die Darstellung des Ausdruckswillens ihrer Figuren, die in der Mehrzahl starke Frauen sind. Haben die Fotografien keinen Kunst-, sondern bloßen Werkzeugcharakter, so steigert die Malerei selbst die Modelle zu Protagonisten von intensiven, sinnlichen und auch erotischen Beziehungen.
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Auszug aus dem Katalogtext: "Photographie und Malerei. Zum Arbeitsprozeß Xenia Hausners"
von Peter Weiermayr; Xenia Hausner "Kampfzone", Köln 2000
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